Von Zirkuspferdchen und Marionettenspielern

All die scheußlichen Organisationsfragen, die im Lehrerberuf den Fokus vom eigentlichen Job – nämlich dem Unterrichten – viel zu oft auf dämliche, banale, bürokratische, den Verordnungen entsprechende Belange lenken, darf man im Fachseminar beiseite packen. Hier dürfen wir noch träumen, in Utopien schwelgen und idealisieren, was das Zeg hält! Ich steh da total drauf, auch wenn die Lücke zwischen Theorie und Praxis zum Teil eklatant ist. 

Manchmal ist es natürlich auch ein wenig unbefriedigend, den Idealzustand zu skizzieren und dabei zu merken, dass der eigene Unterricht davon noch meilenweit entfernt ist. In solchen Phasen – meist auf der gemeinsamen Rückfahrt vom Fachseminar, nachdem die besprochenen Inhalte bereits etwas sacken konnten – thematisieren wir untereinander die Reibungspunkte von Realität und Wunsch. Dabei treten herrlich unterschiedliche Wahrnehmung zutage. So fühlt sich Mitreferendarin A immer wie eine Marionettenspielerin, die im Hintergrund solange an den Strippen der Schüler zieht, bis am Ende das herausgefunden wird, was sie sich im Vorfeld als Ergebnis überlegt hat.  Mitreferendarin B hingegen sieht sich eher als Zirkuspferd, das jedes Mal eine Wahnsinnsshow abliefern muss, um die Herrschaften bei der Stange zu halten. 
Beide Vergleiche spiegeln zwei wichtige Aspekte unseres Berufs wider: zum einen die Planung und Fokussierung auf einen Inhalt und die Mittel, die mir bei der Vermittlung zur Verfügung stehen (das DAVOR) sowie die eigentliche Durchführung des Unterrichts, die bei noch so guter Planung in die Hose gehen kann (das WÄHREND). 

Ich gehöre übrigens auch eher der Zirkuspferdfraktion an, denn wie Marionetten funktionieren meine Schüler nun wirklich nicht (auch wenn das insgeheim gar keine so schlechte Vorstellung ist … ).

Und was ist mit euch? Seid ihr vielleicht der Stand-Up Comedian, der Talkmaster oder gar der Löwendompteur eurer Schüler? 

 

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3 Antworten zu Von Zirkuspferdchen und Marionettenspielern

  1. Lillady schreibt:

    Bei den 5.ern ganz klar der Löwendompteur, bei den 8ern und 10ern das Zirkuspferdchen -.-*

  2. pausenkaffee schreibt:

    Ich glaube, dass man eine Mischung aus beidem/allem sein kann. Aber das ist definitiv eine persönliche Sache und jeder hat seinen eigenen Stil. Ich bin eher der Power-Flummi, der mit Gestik, Mimik und einer gehörigen Portion Witz irgendwie den Unterricht am Laufen hält. Schwierig ist dabei manchmal, einen Fokus zu halten, aber in der Regel läuft es ganz gut.

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