KoKa – Kompetenzorientierte Klassenarbeiten

Letztens nahm ich an einer Fortbildung zu kompetenzorientierten Klassenarbeiten in den Fremdsprachen teil. Inhaltliches mal kurz bei Seite geschoben: Lehrer sind die schlimmsten Schüler! Ein Gebrabbel und Gezeter aus jeder Ecke, verbiestertes Kaugummi-Kauen und Kopfschütteln inklusive. Grundsätzlich ist gesunde Skepsis ja angebracht, aber wie manch einer sich gegen vermeintliche Neuerungen wehrt, verheißt nichts Gutes für unsere Berufsklasse. (Fairerweise muss man dazu sagen, dass es auch schon spät war und der Workload gestandener Lehrerinnen den von uns Referendaren natürlich um Längen übertrifft.)

Aber zurück zum Thema: Die Fortbildung war ziemlich interessant. Im Wesentlichen erarbeiten wir die folgenden Leitkriterien für die Erstellung von kompetenzorientierten Leistungsüberprüfungen:

  • keine bloßen Strukturübungen (also z.B. stupides Konjugieren von Verben), sondern Aufgaben, die den SchülerInnen komplexere Strategien abfordern,
  • transparente Bewertungskriterien, die den SchülerInnen folglich bekannt sind,
  • der Standardbezug zum Rahmenlehrplan,
  • isoliertes Abprüfen von Kompetenzen (z.B. nicht in einer Aufgabe Leseverstehen mit Schreiben überprüfen)
  • und die Authentizität der kommunikativen Situationen.

Beim letzten Punkt ergeben sich jedoch einige Schwierigkeiten. Ich hatte teilweise das Gefühl, dass um der Authentizität Willen merkwürdige Aufgabenformate entstehen und sich die Lehrkräfte dabei ´nen ganz schönen Zacken aus der Krone brechen. Wie oft soll man die armen Dinger denn eine umfassende Email an die fiktive Urlaubsbekannschaft Jean-Luc, Pablo oder Giorgio schreiben lassen, wenn hier wohl eher ein 100 Worte langer Facebook-Post der authentischere Zugang wäre. Dieser gäbe uns allerdings nicht ausreichend Aufschluss über die kommunikativen Fähigkeiten unserer Schüler und somit tappen wir in die semi-authentische Falle.

Mein Fazit: Das Bemühen um authentische Kommunikationssituationen hat zu Recht einen hohen Stellenwert, nur darf man dabei die Funktionalität nicht außer Auge lassen. Dann lieber eine Aufgabe, die das abverlangt, was ich überprüfen möchte, dafür aber vielleicht nicht für alle einen Lebensweltbezug darstellt (zumal ich mir bei vielen Schüler ziemlich sicher bin, dass die noch nie ins Land der Zielsprache gereist sind geschweige denn Deutschland verlassen haben).

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Eine Antwort zu KoKa – Kompetenzorientierte Klassenarbeiten

  1. Stefan schreibt:

    Authentische Aufgabenstellungen zu gestalten finde ich gerade im Anfängerbereich recht schwierig, wobei es sich viele Kollegen auch sehr einfach machen. Eine Ansammlung isolierter Lückensätze ist nicht erheiternd, das sollte zumindest ein wenig in einen inhaltlichen Kontext eingebettet werden (Interview, Dialog, Beschreibung…).

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