Noten Noten Noten

Vor den Ferien wollen alle ihre Noten wissen. Und so gab es heute erste Verhandlungen und Diskussionen. Aber ich bin hart geblieben, auch wenn es nicht immer leicht war. Ich finde es ja irgendwie gut, dass die nicht alles schlucken, was man ihnen vor die Nase setzt. Solche Menschen wollen wir schließlich raus in die Welt schicken! Trotzdem … dieser Blödsinn mit den Zensuren!

Bei der Bewertung von Schülererzeugnissen fühle ich mich, egal ob mündlicher oder schriftlicher Natur, nie hundertprozentig entschlussfähig. Gerade bei mündlichen Noten bewegt man sich auf recht dünnem Eis. Zwar kann man durch transparente Kriterien der subjektiven Notengebung etwas entgegenwirken, aber ob das Ganze dadurch wirklich objektiver wird? Wenn man wüsste, welche unterbewussten Prozesse bei der Bewertung mitlaufen, dürften bestimmt überhaupt keine Noten mehr vergeben werden.

Aber da dem nicht so ist: was muss, das muss und ich zaubere weiterhin fleißig Zahlen aus meinem Notenzylinder!

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4 Antworten zu Noten Noten Noten

  1. pausenkaffee schreibt:

    Das Gute: es geht jedem so. Selbst bei noch so toller und akribischer Reflexion und haarkleinen Aufschreibens aller Vorkommnisse (was im Referendariat noch möglich, bei einer vollen Stelle aber zu zeitraubend sein wird) bekommt man das Quentchen Subjektivität nie weg. Das ist normal, das weiß jeder und damit musst du einfach umgehen lernen 🙂

  2. Erleben Sie, _pausenkaffe_, es wirklich als tröstlich, dass jeder Lehrer unausweichlich in das Gerechtigkeits-Dilemma der Notengebung gestoßen wird? Ich halte es hingegen für eine großartige Sache, wenn Neulingen, in diesem Fall der nachwachsenden Lehrergeneration, problematische Sachverhalte als solche noch unangenehm auffallen und sie sich dem unbequemen Zustand der konstruktiven Arbeitsunzufriedenheit aussetzen.

    Mir stellt sich als außenstehendem Betrachter und Vater zweier schulpflichtiger Kinder die grundsätzliche Frage, warum im System Schule, die Kreativität der Jugend oder mit Blick auf die Junglehrer: die der Nachkommenden so wenig geachtet und genutzt wird. Zum einen werden an zu vielen der (zahlreichen) mir bekannten Lehranstalten Schüler durch die Jahrgänge geschleust, als wäre sie Produktionsgüter. Es wird mit ihnen kaum je auf der Meta-Ebene gesprochen, etwa um herauszubekommen, was aus deren Sicht getan werden könnte, um den Lernvorgang erfolgreicher und gedeihlicher zu gestalten. Das ist so ähnlich wie in Bereichen der Apparatemedizin, wo der Arzt kaum von seinen Notizen auf- und den Patienten anschaut – was sollte vom Kranken für die Expertenentscheidung des Arztes an nützlichen Beiträgen zu hören sein, wenn seine Beschreibung der Symptomatik vernommen wurde?

    Aber zurück zur Schule. Ihre logische Erweiterung findet die herablassende Haltung den jungen Leuten gegenüber in dem institutionellen Umgang mit Junglehrern. Also, liebe _Studienreferendarin_, lassen Sie sich doch bitte nicht Ihres Spürbewusstseins für die feinen Zwischentöne der Lehrer-Schüler-Beziehung berauben! Dass Noten prinzipiell ungerecht sind, dass es ihnen an Validität, Reliabilität und Objektivität mangelt, ist hinreichend gut untersucht. Dass sie Schülern als (für den Lernvorgang so wichtige) Rückmeldung kaum nützen, ist ebenfalls bekannt. Dass sie als Disziplinierungsinstrument nicht taugen, erklärt sich schon aus der entwicklungsbedingten Unfähigkeit von Kinder über das Hier und Jetzt in die Zukunft zu abstrahieren.

    Wem dient diese Quälerei dann eigentlich? Und was gäbe es für geeignetere Instrumente einer nutzenstiftenden Bewertung? Für die Erörterung dieser Fragen braucht es im Kreise der aktiven Lehrer umtriebige Geister, die Stimme besitzen und sich den Willen erhalten, im inneren des Schulsystems Veränderung zu ermöglichen.

    • Ihr Wort in Gottes Ohren! Leider sieht der momentane Schulalltag laut meiner wenigen Erfahrung ganz anders aus: alles dreht sich um die Noten. Das führt auf Seiten der Lehrer, Eltern und Schüler zu erhöhtem Konflikt- und Frustrationspotenzial.

  3. Viele Eltern glauben ernstlich, dass mit dem Übertritt (so heißt das in Bayern) auf das Gymnasium das schlimmste vorbei wäre. Dass von den erfolgreich Angekommenen zwanzig Prozent das Gymnasium ohne Abitur wieder verlassen (Zahlen wiederum aus Bayern), macht sich im Eifer des Gefechts kaum jemand klar. Mal ganz zu schweigen von den vielen jungen Leuten, die mit dem Abi in der Hand die Lust am Lernen vollends verloren haben, weil sie ob der stupenden Paukerei nie erfahren haben, wie viel Freude das machen kann. Und wie natürlich, ja nebensächlich Lernen stattfindet, wenn der Druck weg ist.

    Ich wäre sehr optimistisch in Bezug auf auf den Ausgang des folgenden, völlig fiktiven Szenarios: Eine erkleckliche Zahl von Lehrern aller Schulformen schließt sich zusammen und startet eine klug konzipierte, gut durchdachte und geschickt vermarktete Noten-Reforminitiative. Was meinen Sie, wie schnell die in aller Munde wäre und Wirkung entfalten würde? Allein, die frostige Auslese über die Notenverteilung gemäß dem Gaußprinzip macht aus meiner Sicht einen großen Teil gerade des gymnasialen Selbstverständnisses aus. Was bliebe also, wenn sich dort Ansätze einer reformpädagogischen „Kuschelpädagogik“ breit machten? Nicht auszudenken.

    So bleibt uns nichts, als auf die Veränderung in kleinen Schritten zu vertrauen. Denn die gibt es unübersehbar. Und auf wache, reflektierte Lehrer, die die Nerven behalten, wo Eltern sie oftmals verlieren. Eltern sind allein deshalb schon für grassierende Unvernunft entschuldigt, weil es um ihre Brut geht. Vernünftiges Verhalten kann darob aus psychologischer Sicht von ihnen gar nicht erwartet werden. Eine kluge Schulpolitik wüsste das zu beherzigen und würde Lehrern Rahmenbedingungen schaffen, die ihnen im Gemengelage des Schulalltags trotzdem ein vernünftiges Arbeiten ermöglicht. Vielleicht mit eigenen Arbeitsplätzen, die diesen Namen auch verdienen, mit Zeit zum kollegialen Austausch, externen Supervisionen, nennenswertem Handlungsspielraum für Rektoren, Budgetzuweisung für die einzelne Schulen und dergleichen mehr. Man hört ja, dass das in manchen anderen europäischen Ländern durchaus gelingt.

    Jedenfalls sollten wir die Hoffnung nicht aufgeben. Und Sie bitte schon gar nicht!

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